Kosmo

erschienen Frühling 2026, Septime-Verlag
Roman, gebunden
336 Seiten

Seit Jahrzehnten arbeitet Chave – eine pedantische, widersprüchliche Besserwisserin – an einem Institut, das im Dienst »enzyklopädischer Erinnerungsuniversen« steht sowie »menschliche Gedanken- und Gefühlshaushalte« zu rekonstruieren versucht. Das »unrettbar Flüchtige humaner Kopfwelten« soll archiviert und kontextualisiert werden. Nachdem Chave eine Audiodatei zugespielt wird und deren Urheberin plötzlich verschwindet, begibt sie sich 2048 auf eine Reise quer durch die Zeit. Acht Monate will sie in Kosmo, einem Ort im Süden des griechischen Festlands, wohnen und recherchieren. Doch das an der Küste gelegene Felsendorf scheint wie verzaubert, trotzt sämtlichen Regeln der Logik, ändert sich von Tag zu Tag. Kosmo – das ist Chaves grotesker Bericht über ihre turbulente und verstörende, von Geschichten in Geschichten wimmelnde »Investigationsexpedition«. Bloß: Kann man der pathetischen Sammlungsexpertin der »Temporary Eternal Collection« ernsthaft trauen? Ihre Aufzeichnungen geraten zusehends zur traumverlorenen Erzählung über »Wirkliches wie Mögliches«, über das »Dickicht, was alles der Fall ist« und die »Schönheit in vielem«, über die Bedeutung des Gedächtnisses und die Kraft der Phantasie.

Reviews

Auch sprachlich hat KOSMO einiges an Bemerkenswertem zu bieten. Vor allem jene Passagen, in denen Chave spricht, verdeutlichen in ihrer Komplexität und Wortgewalt den speziellen Charakter der Hauptfigur. Sie zeigen aber auch die Virtuosität der Autorin im Umgang mit Sprache. Breiers Einsatz sprachlicher Mittel ist souverän, nicht nur in den oft halbseitenlangen Sätzen. Sie hat eine Vorliebe für möglichst treffsichere Kombinationen aus Verben und Adjektiven; dabei bleibt sie immer genau und präzise, die Beschreibungen rutschen nie ins Blumige oder gar Fabulierende ab. (…) Mit KOSMO beweist Isabella Breier erneut die Fähigkeit, kritisch auf gesellschaftliche Verhältnisse zu blicken, sowohl Absurdität wie Bedrohung in alltäglichen und vermeintlich harmlosen Selbstverständlichkeiten aufzuspüren und das gekonnt mit ihrer Affinität zu schwer greifbaren Phänomenen wie Träumen, Erinnerungen und Emotionen zu verbinden. Sie schafft damit eine Erzählung, die in erster Linie unterhält, oft genug amüsiert, gelegentlich aber auch subtil verstört. Und nicht zuletzt wird ihre Liebe zu Griechenland, seiner Mythologie, Sprache und Kultur „erlesbar“. (…) Erzähltechnische Möglichkeiten reizt Isabella Breier nicht nur in Grapefruits und KOSMO aus, sondern in allen ihren Texten. Gekonnt spielt sie mit sprachlichen Varietäten, Textgattungen und herkömmlichen Leseerfahrungen. 

Daniela Fürst, Literaturhaus Wien

Mit Kosmo hat Isabella Breier einen Roman geschrieben, der sich jeder eindeutigen Verortung entzieht. Science-Fiction, Groteske, philosophisches Gedankenexperiment, Reiseroman, Archivfantasie, all das steckt in diesem Buch, und doch trifft keine dieser Bezeichnungen ganz zu. (…) Auffällig ist auch der Ton. Breier schreibt mit einer Lust an Sprache, die selten geworden ist. Ihre Sätze mäandern, springen, verdichten sich, um im nächsten Moment wieder ironisch gebrochen zu werden. Immer wieder entstehen Formulierungen, die zugleich verspielt und präzise wirken. Man spürt, dass hier jemand schreibt, der philosophisch denkt, ohne den Roman in Theorie aufzulösen. (…) Beeindruckend ist, wie Breier diese großen Themen nicht mit gravitätischem Ernst behandelt. Immer wieder unterläuft sie Pathos durch Humor, Übertreibung oder absurde Wendungen. Chave ist keine souveräne Heldin, sondern eine widersprüchliche, pedantische, oft unfreiwillig komische Erzählerin. Gerade dadurch gewinnt der Roman eine Leichtigkeit, die ihn vor jeder philosophischen Schwere bewahrt.

Barbara E. Seidl-Reutz, Litrobona: Plattform für Literatur in und aus Österreich

Die einzelnen Wahrscheinlichkeitsformen lassen an das fiktionale Baukastensystem eines Jorge Luis Borges denken, worin die Welt oft als Universalbibliothek dargestellt ist. Eine ähnliche Denkweise evoziert der Roman Kosmo in seiner Gesamtheit.

Eng gedacht ist er eine süffisante Abrechnung mit dem Wissenschaftsbetrieb voller fehlgeleiteter Institute, Verwaltung, Subventionen und gegenseitigen Zitierens, als Kosmos gedacht ist er ein Stück Zeitlosigkeit voller Leerstellen, in die sich jeder seine persönlichen Glückserwartungen hineinprojizieren kann.So gesehen ist der Roman auch ein Stück Tourismuskritik, Wissenschaftsabrechnung und antiromantische Beschreibung des Griechischen Mythos. 

Helmuth Schönauer, Lesen in Tirol

„Kosmo“ ist eine Verneigung vor der Bedeutung unserer Wahrnehmung und Phantasie. Der Roman spielt und vermengt die literarischen Genres. Ein grotesker Bericht aus einem fiktiven griechischen Ort einer äußerst unzuverlässigen Erzählerin. (…) ein Werk über die Bedeutung des Erzählens, der Sprache und des Erinnerns. Aufzeichnungen aus Traumlandschaften, die fraglich sind und doch einen wahren undurchdringlichen Geschichtenbusch in uns verpflanzen.

Hauke Harder, Leseschatz: Erlesenes

Das ist einer der Romane, die sich nicht damit begnügen, eine Geschichte zu erzählen; er will die Bedingungen des Erzählens selbst befragen, die Mechanik des Erinnerns freilegen, die Risse im Bewusstsein sichtbar machen. (…) Ist man in den Roman einmal eingetreten, weiß man nicht, ob man je wieder auf demselben Weg hinausfindet. (…) Der Roman entfaltet sich in Aufzeichnungen, Fragmenten, Protokollen, Erinnerungsfetzen. Diese Form ist nicht bloß ästhetisches Spiel, sondern Ausdruck einer Haltung: Die Welt ist nicht linear, also kann auch die Erzählung es nicht sein. Breiers Sprache ist das eigentliche Zentrum dieses Romans. Sie ist klar und zugleich schillernd, präzise und doch voller Schwebezustände. Der Roman erzeugt durch das bewusste Nachahmen wissenschaftlicher Formate eine subtile Satire und erinnert damit an Jean Paul: Auf manchen Seiten treten Elemente, die sonst „um den Text herum“ stehen, in den Vordergrund und werden zuerst Teil der Erzählung, verdrängen sie dann aber fast: Da wären 169 Fußnoten, mehrzeilige Kapitelüberschriften, plötzliche Kursiv-Einschübe oder Schriftartenwechsel, eingestreute Bezeichnungen in griechischen Buchstaben wie zum Beispiel Βράχoς με φίδι (ein Toponym: „Fels mit Schlange“), ein Mini-Glossar und so weiter. Schlagartig erreichen den Leser da und dort Sätze, die wie kleine Erkenntnisfunken wirken – etwa beschwört sie die Bröckeligkeit des Gedächtnisses, die Sehnsucht nach Ordnung, die Unmöglichkeit, das Leben festzuzurren, ohne es zu verraten. Dann wieder liest man, dass Menschen in matschig gewordenen Gedanken einsinken könnten und sich dann an einen „Strohhalm klammerten oder per Liane über den zum Graben gewordenen Gang der Deutung der Geschehnisse hievten“ (S. 16). Die Groteske, die immer wieder aufscheint, dient dazu, die Welt in ihrer Absurdität sichtbar zu machen.

Maria Lehner, Österr. Kulturvereinigung/Maria Lehners Bücherblog

(…) Und es ist wiederum ein großartiges Buch, das Isabella Breier hier geschrieben hat, das sich des Zustands der Welt und der Wahrhaftigkeit von Erinnerungen auf ganz besondere Art annimmt. Eine Lesereise, die Konzentration verlangt und dafür reich belohnt!

Gabriele Mraz, Weiberdiwan

Bei Isabella Breier steht die Gesellschaft auf dem Prüfstand. Das klingt nach einem theoretischen Unterfangen, ist es auch. Denn Theorie spielt in ihrem jüngsten Roman eine bedeutende Rolle. Es werden Versuchsanordnungen aufgestellt, um das Zusammenleben von Menschen einer Prüfung zu unterziehen. (…) Es gehört zur Methode Isabella Breiers, dass sie dem Zweifel jeden Spielraum gewährt. Sie liefert das Gegengift zur grassierenden Rechthaberei. 

Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten

Isabella Breier gelingt es spielerisch den Leser unnachgiebig in eine Welt zu ziehen, die bisher niemand erforscht hat. Traumwelten, utopische Szenarien, die auf einmal gar nicht mehr so utopisch klingen und das alles in einer Sprachvielfalt, die ihresgleichen sucht.

Karsten Koblo, aus-erlesen

Isabella Breier ist eine der innovativsten und außergewöhnlichsten literarischen Stimmen der Gegenwart. Die in Wien lebende, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, legt mit „Kosmo“ einen Roman vor, der in Raffinesse und Spannung thrillergleich von den ersten Sätzen an mitnimmt und nicht loslässt. Es ist ein Eintauchen in Existenz-, Zeit-, Bedeutungsebenen von Mensch und Gesellschaft in großartiger Sprachwelt und Textkonstruktion, die wie Wasser und Wind umgeben, einem fliegenden Teppich gleich tragen und in facettenreichen Stationen von Erfahrung, Wagnis, Selbsterkenntnis und Überraschung ankommen lässt. Eine geniale literarische Reise zum Wunder und Geheimnis Mensch, Welt, Sinn!

Walter Pobaschnig, Literatur Outdoors

Weitere

Meine Osterlektüre: Isabella Breier: KOSMO Septime Verlag #kopfwelten #Lesenswert #lesen #roman | Die Autorin Rosemarie Schmitt | Facebook Ein außergewöhnlicher Roman, über den nachzudenken sich lohnt – über den zu schmunzeln unvermeidlich ist! (Rosemarie Schmitt)

Literadio: Gespräch zu „Kosmo“ mit Daniela Fürst

Videoaufzeichnung einer Veranstaltung im Stifterhaus (Lesung und Gespräch mit Marlene Gölz)

ISABELLA BREIER: „Kosmo“, Roman und GREGOR FINK: „Streunende Hunde“, Roman | dorftv